Sabine Zhang zieht es hinaus. Sie hat einen Container voll Nähmaschinen in den Senegal verkauft, in Indien mit Flüchtlingen gearbeitet, für einen österreichischen Dokumentarfilmer Drehorte gesucht und als Effizienzberaterin Fabriken durchleuchtet.

Der Reihe nach. 1996 flog die frisch gebackene Magistra der Sinologie mit einem Direktflug von Wien nach Shanghai. Ihr Auftrag: Für den amerikanischen Konzern Unisource Papier nach China zu verkaufen. Chinesische Fabriken konnten damals nicht einfach selbst importieren. Zhang perfektionierte die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen, eine Kulturtechnik mit der man in der konfuzianisch geprägten Diktatur leichter vorankommt. So gelang es ihr schließlich, ein komplexes Netzwerk von Entscheidungsträgern für nassfeste Bieretiketten zu gewinnen. Nach drei Jahren hatte sich die gebürtige Steirerin gründlich in der Millionenmetropole eingelebt, ihren heutigen Namen angenommen und bereits für einen zweiten Papierkonzern ein Repräsentanzbüro aufgebaut.

2000 absolvierte Zhang den MBA an der „China Europe International Business School“ (CEIBS) – laut Financial Times Ranking eine der zehn führenden Wirtschaftsunis weltweit. Unter 120 Chines*innen war sie eine der ersten Ausländer*innen. „Es ist, als hätte ich mich in China ein zweites Mal sozialisiert“, sagt sie. Und nebenbei lernte sie eine der wichtigsten Lektionen ihres Lebens: Wer sich ganz auf eine neue Aufgabe einlässt, klärt auch den Blick auf das Eigene.

Zurück in Europa erweiterte Sabine Zhang ihr Aktionsfeld erneut und schlug 2001 eine Laufbahn als Beraterin bei der Unternehmensberatung Syngroup ein. In diesem Job reist man mit schmalem Gepäck, von Montag bis Donnerstag steht man in einer Fabrik und vereinfacht Abläufe, abends fragt man sich in welcher Stadt das Hotelzimmer nochmalsteht. Nicht so Sabine Zhang. Sie ist als jene Kollegin in die Firmengeschichte eingegangen, die sich im ukrainischen Cherkassy eine Wohnung mietete und dort einen eisigen Winter lang ausharrte.

 

Man hat als Effizienzberaterin wesentlich mehr Geld als Zeit zur Verfügung. Nach drei Jahren nahm sich Zhang ein Jahr Auszeit in Indien. Sie lernte Tibetisch und gab in Dharamsala Englischkurse für Flüchtlinge. Zurück in Europa war klar, dass ihr Leben eine Wende genommen hatte und sie heuerte 2004 als kaufmännische Geschäftsführung bei der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch in Wien an. Mit ihr brach bei der NGO das Excel-Zeitalter an. Noch wichtiger aber war: Zhang entdeckt, dass selbst vermeintlich unangenehme Botschaften Kraft entwickeln, wenn sie im richtigen Rahmen angesprochen werden.

2011 absolvierte Sabine Zhang den Lehrgang „Systemisches Change Design“ bei trainconsulting, seit 2012 arbeitet sie selbständig als systemische Beraterin und Trainerin in Afrika, Asien und Europa. Sie hat Großgruppen mit bis zu 350 Personen angeleitet, tiefgreifende, jahrelange Veränderungsprozesse begleitet und Organisationsdesigns für internationale Konzerne und NGO’s umgesetzt.

Es gehört zu Sabine Zhangs Erfolgsgeheimnissen, dass sie aufmerksam zuhört und ein untrügliches Sensorium für Chancen und Unwägbarkeiten auf unvertrautem Terrain entwickelt hat. Das macht sie zu einer verlässlichen Begleiterin beim Betreten von Neuland und in Zeiten grundlegender Veränderungen.